UNEASY (2020)

eine künstlerische Forschung von Amsbeck & Konsorten

Im Juni 2020 war ich mit dem Kollektiv Amsbeck & Konsorten als Residenzkünstlerinnen beim Theaterfestivals Schwindelfrei in Mannheim zu Gast. Drei Wochen lang durften wir im zeitraumexit testen, probieren, schmecken, verwerfen, verbinden und forschen. Thema dieser Festivalausgabe war: Fabulationen, dem wir uns mit einem Sprung ins Becken „des Feminismus“ widmeten.

Die Fabulation, die Suche nach einer neuen Erzählung ist für uns zunächst die Erschütterung der eigenen Gewissheiten, die Selbstertappung, das Ringen um Sprache.

Amsbeck & Konsorten, Juni 2020

(c) UNEASY Amsbeck & Konsorten 202 | foto Stefanie Büttgenbach

Welche feministischen Verwandtschaften und Verbindungen wollen wir eingehen? Welche Fäden sind uns in die Hand gegeben? Marielle Amsbeck, Nicole Amsbeck, Stefanie Büttgenbach und Giuseppina Tragni stürzen sich in ihrer Residenz lustvoll in Aushandlungen zwischen Privatem und Politischem, Hashtags und Theorie, Generationenkonflikt und Begriffshoheit. Mittels Livekamera und digitaler Realtime Composition schlüpfen sie unter die Haut Feminist*innen verschiedener Generationen, befragen „den Feminismus“ und ihr eigenes Handeln. Inspiriert und überfordert von jeder Menge Literatur von Simone de Beauvoir über Laurie Penny bis Donna Haraway, kämpfen sie sich durch ein Dickicht der eigenen Erzählung und Zuschreibungen von Weiblickeit. Immer verknoteter stellt sich „der Feminismus“ da, wuchert in Wölbungen und Abzweigungen von Denkräumen, Anforderungen und Fragestellungen.

Der Feminismus fordert uns dazu auf infragezustellen, wie Macht und Aufmerksamkeit verteilt sind, wie wir einander begegnen, wie wir uns sehen und hören.

Amsbeck & Konsorten, Juni 2020

Nach drei Wochen künstlerischer Forschung entsteht im weißen Kubus des zeitraumexit eine installative Werkschau in der die Künstler*innen Fragmente ihres Material mit den Festivalbesucher*innen teilen. Textfragmente, Buchstaben, Bücherstapel, Klänge, Erdhaufen, Bild-Verwandtschaften, Kabel, Pflanzen und andere Kritte gingen mit uns auf die Bühne. Teil eines kleinen Ausschnitts aus unserer Untersuchung und Suche ohne eindeutige Antworten. Die Reise war nach drei Wochen noch lange nicht zu ende und wir suchen immer noch nach dem Fadenspiel und folgen ihm ins Dunkel.

Ich versuche, den Fäden zu folgen und die Spuren so zu lesen, dass ihre Verwicklungen und Muster entscheidend dafür werden, wie wir an wirklichen und spezifischen Orten, in wirklichen und spezifischen Zeiten unruhig bleiben können. So verstanden ist SF ( eine Methode des Nachzeichnens, des Verfolgens eines Fadens in die Dunkelheit, in eine gefährlich wahre Abenteuergeschichte hinein, in der vielleicht klarer wird, wer für die Kultivierung artenübergreifender Gerechtigkeit lebt oder stirbt und warum.

Donna J. Haraway, Unruhig bleiben

(c) Theaterfestival Schwindelfrei 2020 | foto Lys Y. Seng